Alltagsrassismus & Mikroaggressionen – Handlungen, die Makrofolgen nach sich ziehen können

Unsere Sprache und unser alltägliches Handeln sind oft ungewollt von rassistischen Denkmustern geprägt – eine subtile Form des sogenannten Alltagsrassismus ist die Mikroaggression, welche oftmals unbewusst geschieht. Es sind Worte oder auch Handlungen gegenüber einer Person oder Gruppe, die eine aggressive Komponente besitzen, aber auf gewisse Weise den aggressiven Inhalt der Botschaft verbergen.

Für gewöhnlich verhält man sich nur einer Person gegenüber so, der man sich überlegen fühlt. Das trifft unter anderem leider auf BIPoC (Black, Indigenous and People of Colour) zu, die sich häufig täglich mit rassistischen Kommentaren auseinandersetzen müssen. Oftmals bekommen die Betroffenen Sätze wie „Wo kommst du wirklich her?“ oder „Du sprichst aber gut Deutsch“ zu hören und auch die absichtlich falsche Aussprache eines Namens, trotz mehrmaligen Korrigierens zählt dazu.

Doch die allerwenigsten Menschen haben das Gefühl, diskriminierend oder rassistisch zu sein. Sie sind nicht offen für Kritik an ihrem Verhalten gegenüber den Betroffenen, Einsicht oder eine aufrichtige Entschuldigung folgen so gut wie nie. Im Gegenteil, viele reagieren verletzt und wollen sich schnell rechtfertigen. Dann fallen häufig Sätze wie „Das war nicht so gemeint“ oder „Das war doch nur ein Scherz“. Manchmal kommt es sogar zu Gegenvorwürfen und Betroffenen werden Überempfindlichkeit oder Sensibilität vorgeworfen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Alltagsrassismus sehr häufig unbenannt bleibt.

Ein Psychologieprofessor der Columbia University, Derald Wing Sue, und seine Kollegen haben Mikroaggressionen in drei Kategorien unterteilt:

  • Mikroangriffe. Das sind die offenkundigsten Mikroaggressionen. Die Handlung der Verursachenden, welche die Mikroaggression begangen hatten, geschah absichtlich und in voller Kenntnis über die möglicherweise schädlichen Auswirkungen.Ein Beispiel für einen Mikroangriff wäre die Verwendung eines abfälligen Begriffs für BIPoC.
  • Mikroinsults. Diese sind subtiler als Mikroangriffe, haben jedoch ebenso schädliche Auswirkungen. „[…]Zum Beispiel, schreiben Sue und seine Kollegen, könnte eine Mikro-Beleidigung einen Kommentar beinhalten, der impliziert, dass eine Frau oder eine farbige Person ihren Job aufgrund einer positiven Handlung erhalten hat[…]“ *1
  • Mikroinvalidierungen. Dazu zählen Kommentare und Verhaltensweisen, die die Erfahrungen Betroffener leugnen. Aussagen bestehen häufig darin, dass Vorurteile in der Gesellschaft kein Problem mehr darstellen würden oder darin, einer betroffenen Person den Vorwurf von Überempfindlichkeit zu machen, wenn diese auf den rassistischen Kommentar negativ reagiert.

Dann gibt es noch sogenannte Umweltmikroaggressionen. „[…]Sie treten auf, wenn etwas im physischen oder sozialen Kontext, Mitgliedern von Randgruppen eine negative Botschaft vermittelt[…]“ *1 Die Art der Darstellungen von BIPoC oder der generelle Repräsentationsmangel dieser in den Medien wäre ein Beispiel hierfür.

Ob beabsichtigt oder nicht, Forschungen haben ergeben, dass Mikroaggressionen Auswirkungen auf die Betroffenen haben können, obwohl sie subtiler erscheinen als andere Arten von Diskriminierung. Man glaubt, dass sich Mikroaggressionen im Laufe der Zeit auf die psychische Gesundheit auswirken. Gerade die Mehrdeutigkeit und Subtilität von Mikroaggressionen macht sie für die Opfer besonders frustrierend, da sie möglicherweise Unsicherheit, ob und wie sie reagieren sollen, verspüren.

Das Problem an Mikroaggressionen ist ihre Systematik und auf Dauer können das Selbstwertgefühl und die Würde der betroffenen Person stark darunter leiden.

Wir sollten aber nicht allein die Mikroaggressionen ausfindig machen, sondern auch die Wurzel des Problems packen: unsere Vorurteile. Wir sollten uns ihrer bewusst sein, uns darüber informieren und nach und nach versuchen sie einzustellen.

*1 Quelle: https://www.greelane.com/wissenschaft-technologie-mathematik/sozialwissenschaften /microaggression-definition-examples-4171853/

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